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Nâzım Hikmet

Nâzım Hikmet (15.01.1902-03.06.1963), der in Thessaloniki, das damals zum Osmanischen Reich gehörte, geboren wurde, war ein Dichter und Dramatiker und gilt als Begründer der modernen türkischen Lyrik.

Zur Zeit der Oktoberrevolution, die ihn sehr beeindruckte, besuchte er die Marineschule in Istanbul. Als er sich den Offizieren 1919 widersetzte, wurde er wegen Anstachelung zum Aufruhr entlassen. Daraufhin nahm er an Veranstaltungen der Befreiungsbewegung teil.

Nach seiner Flucht aus dem besetzten Istanbul bereiste er 1921 gemeinsam mit seinem Freund Vâlâ Nûrettin zunächst Anatolien, wo sie Kontakt zur Bevölkerung und sozialistischen Organisationen suchten, und zum Ende des Jahres illegal die junge Sowjetunion. Hier erlebten sie die Hungersnot im ländlichen Süden des Landes, bevor Hikmet in Moskau Soziologie und Kunstgeschichte studierte. Dabei hatte er Kontakte zu sowjetischen Futuristen, wobei vor allem Sergei Jessenin und Wladimir Majakowski seine Dichtung beeinflussten.

1924 trat Hikmet in die Kommunistische Partei der Türkei (türkisch: Türkiye Komünist Partisi; kurz TKP) ein. Er arbeitete an der ersten sozialistischen Zeitschrift der Türkei Aydınlık mit, welche 1925, ebenso wie die TKP, verboten wurde. So wurde auch Hikmet nach seiner Rückkehr in die Türkei auf Grund seiner politischen Überzeugungen verfolgt und floh 1925 erneut nach Moskau. Als er 1928 versuchte, in die Türkei zurückzukehren, wurde er verhaftet und für acht Monate interniert.

Staatlicher Repression zum Trotz konnte Hikmet 1929 erste Erfolge als Autor verzeichnen. Diese gingen trotz Zensur und mehrfacher Inhaftierung Hikmets weiter. Auch sein berühmtes, durch seine politische Haltung beeinflusstes, »Epos vom Scheich Bedrettin« verfasste er, als er von 1933-1935 in Bursa inhaftiert war.

1938 verurteilte ein Kriegsgericht Hikmet in einem politischen Prozess zu 28 Jahren Haft und verhängte ein Publikationsverbot. Nachdem er die Zeit in Haft weiter produktiv genutzt hatte, um unter anderem Krieg und Frieden von Lew Tolstoi zu übersetzen, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand Ende der 1940er Jahre dramatisch. Es folgten internationale Proteste und ein Hungerstreik Hikmets, bevor dieser 1950 in einer Generalamnestie begnadigt wurde. Im Folgejahr wurde er zum Kriegsdienst einberufen, weswegen er erneut nach Moskau floh. Während die Türkei ihn ausbürgerte, gehörte Hikmet in Moskau zur intellektuellen Prominenz. Er bereiste vor allem den Ostblock.

Am 3.6.1963 starb Nâzım Hikmet an den Folgen seiner jahrelangen Haft in türkischen Gefängnissen. Das Verbot, seine Schriften in der Türkei zu publizieren, bestand bis 1965 weiter. Die Türkische Staatsbürgerschaft erlangte er erst 2009 posthum zurück.

Ein erster Band von deutschen Übersetzungen von Gedichten Hikmets erschien 1959 in der DDR. Im Westen – und so auch in der BRD, wo bis Ende der 1970er Jahre lediglich drei seiner Gedichte bekannt waren, die Hans Magnus Enzensberger 1960 in sein Museum der modernen Poesie aufgenommen hatte – wurde er zunächst weitestgehend ignoriert.

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