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Ernst Thälmann

Ernst Johannes Fritz Thälmann (16.04.1886-18.08.1944) kam in Hamburg zur Welt, in eine arme Familie geboren, die einen kleinen Laden betrieb. Von frühesten Jahren an musste er dort zu schlechten Bedingungen aushelfen und wurde dazu trotz guter Noten von der Schule abgemeldet. Daraufhin entschied er sich, vom Kleinbürgertum zur Arbeiter*innenklasse zu wechseln, riss von zu Hause aus und suchte sich im Hafen Arbeit. Die Arbeitsbedingungen waren dort zwar kaum besser, dafür sah er hier aber eine Perspektive zu kämpfen: Es gab Gewerkschaften, Arbeitskämpfe und Streiks. Schnell politisiert trat er der SPD bei und wurde in der Arbeiter*innenbewegung aktiv. Doch seine Partei enttäuschte ihn von Jahr zu Jahr mehr. Deals mit dem Staat folgten Deals mit der Wirtschaft. Mit einer neuen Qualität des Verrats folgte die Zustimmung zum 1. Weltkrieg, in dem Thälmann, als Wehrpflichtiger wider Willens, in die Schlacht gegen seine französischen Klassengenossen geworfen wurde.

Als eine Revolution dem Krieg ein Ende setzte, zögerte er nicht und desertierte mit mehreren Mitstreitern, um sich der USPD um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht anzuschließen. Doch die Revolution wurde von der Sozialdemokratie verraten, viele Menschen ermordet und eingesperrt. Die, die noch frei waren, errichteten, nach dem Vorbild der Bolschewiki, eine kommunistische Partei, die KPD. Doch auch hier fing sofort ein Abwehrkampf gegen rechte Opportunisten an, die stets versuchten für Sozialpakt und Regierungsbeteiligung den Klassenkampf zu verraten. Thälmann war hier stets ein Vorkämpfer des revolutionären Flügels, von der erfolgreichen Abwehr des Kapp-Putsches, über die Solidarität mit der Roten Ruhrarmee, bis zu dem von ihm angeführten Hamburger Aufstand 1923, setzte er diese Linie durch und übernahm von der linken Opposition aus den Parteivorsitz.

Nun hatte er in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und des aufsteigenden Faschismus, schwere Ausgangsbedingungen und schwere Entscheidungen. Als Hardliner wählte er kompromisslose Kurse: Den Kampf gegen alle Vertreter des Kapitalismus, von SPD bis NSDAP und eine bedingungslose Solidarität mit dem ersten sozialistischen Staat, der Sowjetunion. In diesem Kurs bestritt die Partei wilde Streiks erfolgreich und zum Unmut bürgerlicher Gewerkschaften. Zum Schutz vor Polizei und Faschisten wurde der Rote Frontkämpferbund aufgebaut. Doch sein Kurs bedeutet auch den Parteiausschluss für kritische Stimmen, insbesondere zur Ausrichtung der Sowjetunion unter Stalin. Auch viele aufrechte Marxist*innen und Antifaschist*innen gingen der KPD deshalb verloren. Bis heute wird dieses Vorgehen oft kontrovers diskutiert.

Unbestreitbar aber hat Thälmann die KPD zur aktivsten und entschlossensten Gegnerin der Nazis gemacht und konsequent für die Rechte der Unterdrückten gekämpft. Dies wurde nicht verziehen. Nach der Machtübergabe an die NSDAP wurde die KPD zum ersten Ziel des Hitlerfaschismus. Das kam nicht überraschend. Den Schritt in die Illegalität hatte Thälmann vorbereitet. Auf seine eigene Sicherheit hatte er dabei, wie so oft, zu wenig geachtet. Er wurde bereits am 3. März 1933 verhaftet. Es folgten Jahre von Folter und Freilassungangeboten. Mit Peitsche und Zuckerbrot versuchte Göring den Kommunisten gefügig zu machen. Doch Thälmann hielt über elf lange Jahre den unmenschlichsten Qualen stand und blieb seiner Sache treu. Er wurde Ende August 1944, auf Hitlers Befehl, im KZ Buchenwald ermordet, um seine Befreiung durch die vorrückende Rote Armee zu verhindern.

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