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Nicola Sacco & Bart Vanzetti

Ferdinando »Nicola« Sacco (22.04.1881-23.08.1927) und Bartolomeo »Bart« Vanzetti (11.06.1888-23.08.1927) stammten aus Torremagiore bzw. Villafalletto und wanderten beide im Jahr 1908 aus ihrer italienischen Heimat in die USA ein. Während Sacco schon in Italien, durch seinen älteren Bruder mit sozialistischem Gedankengut in Kontakt kam und sich nach seiner Ankunft in Amerika schnell in der dortigen anarchistischen Bewegung beteiligte, politisierte sich Vanzetti erst durch seine Erfahrung als Arbeitsloser und Gelegenheitsarbeiter in den USA. Geprägt wurde er hierbei durch den italienischen Anarchisten Vincenzo Brini, bei dem er während dieser Zeit wohnte.

1917 waren beide als Autoren für die anarchistische Zeitschrift »Cronaca Sovversiva« (Subversive Chronik) tätig und lernten sich im Mai dieses Jahres persönlich kennen. Kurz darauf sahen sich beide dazu gezwungen, nach Mexiko zu fliehen, um sich einer Musterung für die US-Army zu entziehen, die sich auf ihren Einsatz im ersten Weltkrieg vorbereitete, in welchen die USA im April 1917 auf Seiten der Triple Entente eingetreten war. Wenige Monate später kehrten Sacco und Vanzetti in die Staaten zurück, lebten allerdings noch einige weitere Monate im Untergrund, um einer eventuellen Gefängnisstrafe zu entgehen.

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges und der bolschewistischen Revolution im russischen Zarenreich begann in den USA die sogenannte »Red Scare«. Unter dem Eindruck einer beginnenden ökonomischen Krise, Furcht vor einer Revolution nach bolschewistischem Modell und mehreren Bombenanschlägen, zu denen sich anarchistische Gruppen bekannten, wurden in den Staaten hunderte Anarchisten, Sozialisten und ausländische Arbeiter verhaftet, verhört und teilweise in ihre Herkunftsländer deportiert.

Im Zuge der »Red Scare« wurden auch Sacco und Vanzetti am 5. Mai 1920 festgenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, an zwei Raubüberfällen beteiligt gewesen zu sein, bei denen zwei Menschen erschossen wurden.

Am 31. Mai 1921 begann der Prozess gegen die beiden. Die Verteidigung übernahm der Anwalt Fred H. Moore, welcher schon in mehreren Fällen Anarchisten und andere Radikale verteidigt hatte. Der Prozess stellte sich bald als eine politisch motivierte Farce heraus, bei der sowohl entlastende Zeugenaussagen als auch Widersprüche zwischen den Zeugen der Anklage ignoriert wurden. Auch die Tatsache, dass beide Angeklagten Alibis für den Tatzeitpunkt vorweisen konnten, spielte bei ihrem Schuldspruch durch die Geschworenen am 14. Juli 1921 keine Rolle.

Doch mit dem Schuldspruch in erster Instanz war das letzte Wort noch nicht gesprochen. Über die folgenden Jahre brachte die Verteidigung 8 Berufungsanträge ein und das »Sacco-Vanzetti Defense Committee« organisierte Protest- und Solidaritätsveranstaltungen auf der ganzen Welt. An diesen Veranstaltungen nahmen zunächst hauptsächlich Anarchist*innen und Kommunist*innen teil, allerdings solidarisierten sich auch hunderte bürgerliche Intellektuelle mit den Verurteilten.

Doch weder weltweiter Protest, noch die Tatsache, dass sich 1925 Celestino Madeiros zu dem fraglichen Raubmord bekannte und unter Eid angab, dass weder Sacco noch Vanzetti beteiligt waren, konnten den Richter davon abbringen, ein Exempel an den beiden jungen Anarchisten zu statuieren. Am 9. April 1927 verkündete er schließlich das Urteil:

Die beiden Angeklagten sollten auf dem elektrischen Stuhl sterben. Das Urteil wurde am 23. August 1927 vollstreckt.

Gegen den Justizmord brach ein weltweiter Proteststurm los. In Berlin gingen 150.000 Menschen auf die Straße und in Paris fuhr die Regierung Panzer auf, um die US-Botschaft gegen protestierende Arbeiter*innen zu verteidigen.

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